GabriELLA ClauDIA Doggweiler

Meine Inspiration: Meine Enkel


Wie viele Geschichten entstehen:

 

 

Darf ich mich vorstellen? Ich heisse GabriELLA ClauDIA Doggweiler und bin Grossmutter der süssesten Kinder, die es gibt. Das behauptet wohl jede Grossmutter, das ist mir klar - aber bei mir stimmt‘s!

Als Mutter putzte ich die Fensterscheiben, weil meine Kinder Abdrücke hinterlassen hatten. Als Grossmutter putze ich die Scheiben, damit die Enkel Abdrücke hinterlassen können.

Sie glauben das nicht?

Jede Woche hüte ich die kleinen Racker und freue mich jedes Mal gewaltig auf sie. Dann richte ich das Haus kindersicher her, putze alles blitzblank – fast klinisch sauber – auch die Scheiben - und dekoriere das Wohnzimmer sozusagen mit Spielsachen. Zwei hohe Türme Kinderbücher lege ich aufs Sofa, einen für Kleinkinder und einen für Grössere. Die Legos liegen in einer Ecke, auf dem Tisch warten Buntstifte, Papier, Klebstreifen, Leim und Schere auf die kleinen Künstler. Die Puppenstube steht dick und breit vor dem Heizkörper, als Barriere, damit die Energiebündel nicht auf und um den Heizkörper herum turnen. Ich will selbstverständlich meine Enkel ohne jede Blessur wieder abgeben! Die Puzzles stapeln sich auf der Bar, Bären sitzen in Gruppen auf den Sofas. Kissen laden die Kinder ein, sich am Boden Nester zu bauen. Verführerisch guckt das Kochgeschirr aus der Schachtel. Die ersten Gesellschaftsspiele türmen sich auf dem Büchergestell. Ich überlege, was ich noch bereitlegen könnte. Fast hätte ich die Garage mit den Autos und Traktoren vergessen, die Tankstelle deponiere ich auch noch auf dem Spielteppich. So, jetzt bin ich zufrieden. Das ist doch eine bunte, fröhliche Kinderwelt!

Morgens um sieben fahre ich zu meiner Tochter, damit sie arbeiten gehen kann. Kaum angekommen tönt es: „Omama, wann gehen wir zu dir?“

„Sobald wir alles eingepackt haben“, vertröste ich sie.

Die Tasche wird gefüllt; Michel stopft nebst Nuscheli, seine Lieblingstiere und was ihm gerade in die Finger kommt rein. Mimi muss ich ihren Winnie-Puh wickeln und dick einpacken, schliesslich haben wir Winter! Ich hänge mir die Tasche über die Schultern und packe mit jeder Hand ein Kind. Wenn ich alles im Auto verstaut und die Enkel sogar noch ordentlich angegurtet habe, was gar nicht so einfach ist mit diesen dicken Jacken und viel zu kurzen Sicherheitsgurten, fahren wir ab.

Zu Hause angekommen, wollen sie eine Geschichte hören. Wir platzieren uns auf dem Sofa. Michel macht sich gleich auf meinem Schoss breit, sehr breit. Mimi stürmt dazu und beansprucht selbstverständlich denselben Platz. Nach einer kurzen Rangelei einigen wir uns, dass jedes auf einem Bein reiten darf. Knapp, aber wirklich nur knapp, schaffe ich es, das Buch mit beiden Händen zu greifen, ohne meine Enkel mit meiner Umarmung zu erdrücken. Ein Globibuch ums andere erzähle ich und schaue irgendwann mal auf die Uhr. Elf Uhr!

„Kinder, helft ihr mir in der Küche?“

Die Kleinen schälen eine Gurke, probieren Hörnli von knochenhart bis al dente und wollen von mir immer wieder hochgehoben werden, damit sie in die Pfannen gucken können. Mittagessen. Links und rechts von mir sitzen sie, die kleinen Fressmaschinen, sie wollen gefüttert werden. Also halte ich mit jeder Hand ein Hörnli und zappele damit in der Luft herum und quietsche, wie wenn ich selber ein Hörnli wäre: „Ich will nicht gegessen werden! Ich will nicht gegessen werden!“ Und schon landen die Teigwaren in den aufgesperrten Luken der lachenden Kinder. Die Teller sind leer und die Bäuche voll. Ab in die Zimmerstunde. Michel schläft gleich ein, Mimi rumort rum, bis es erstaunlicherweise auch noch ruhig wird.

Ich sitze am Tisch vor einem Kaffee und überlege mir, was wir heute Nachmittag unternehmen könnten. Kaum habe ich die Tasse ausgetrunken, rufen beide; schon ist wieder Betrieb.

Wir kriechen auf dem Boden und spielen Zoo. Plötzlich springt Mimi ans Fenster und Michel hinter her. Es schneit. Mit platt gedrückten Nasen bestaunen wir die weiss werdende Landschaft. Langsam dunkelt es ein, die Lichter der Nachbargemeinde am gegenüber liegenden Hang verzaubern die Nacht.

„Hallo, hallo!“, tönt es von der Haustüre her. Meine Tochter holt ihre Kinder ab. Etwas wehmütig verabschiede ich mich. Ich bin glücklich, es war ein gemütlicher Tag. Na, etwas müde bin ich vielleicht doch - vom vielen Kriechen und Turnen – eigentlich sogar sehr! Aber welche Grossmutter würde dies schon zugeben?

Ich versorge sämtliches Spielzeug. Diese vielen bunten Sachen könnte ich stundenlang anschauen, wahrscheinlich erfülle ich mir damit nachträglich einen Kindheitstraum. Womit haben wir aber gespielt? Einige Bücher las ich vor und sonst? In unserer Fantasie verwandelten wir uns in Löwen, Schlangen, und ganz gefährliche Bären - hungrige Bären! Jeder Krümel erinnert mich daran, wo die Bären und wo die Löwen gefüttert wurden. Glücklich sauge ich sie weg, die Krümel, nicht die Wildtiere.

Ich setze mich an den Tisch und trinke einen Kaffee, die ersten wirklich ruhigen Minuten. Versunken gucke ich zum Fenster raus und entdecke kleine Handabdrücke, einige mitten auf der Scheibe, andere weiter unten. Nein, eigentlich sind es ja die Pfoten der Bären und Löwen, die aus dem Zoo ausbrechen wollten! Ich schmunzle, dieses Andenken lasse ich stehen und erfreue mich daran. Wegputzen werde ich es erst  nächste Woche - kurz bevor die Enkel wieder kommen - damit die kleinen Racker frische Spuren hinterlassen können! Jetzt notiere ich erst mal unsere neue Bärengeschichte!

 

 


 

 


 

Über mich: meine Ausbildung


Warum ich schreiben lernen wollte:

Das entscheidende Erlebnis:

 

Ich sass im voll besetzten Zug und war nervös. Nervös, weil meine Tochter jeden Tag ihr erstes Kind zur Welt bringen konnte. Wie ich mich freute, Grossmutter zu werden! Der Zug fuhr in Olten ein. In diesem Moment  läutete das Telefon, auf dem Display leuchtete der Name meiner Tochter auf. Zitternd, fast heiser meldete ich mich: „Hallo Bea, wie geht es dir?“ Eine glückliche Stimme antwortete: „ Hallo Mami, du bist gerade Grossmutter von Mimi geworden! Alles ist gut gegangen! Es war eine Traumgeburt Wir sind glücklich, aber müde………..!“ Ich gratulierte ihr und konnte mich kaum mehr rühren. Kein vernünftiges Wort brachte ich heraus und mein Gehör schien mich auch noch im Stich zu lassen. Die Emotionen schwappten voll über mich hinweg, darum beendete ich etwas schneller als sonst das Telefon und versprach, zu Hause gleich zurück zu rufen. 

 

Nun sass ich also da und starrte aus dem Fenster, ich versteckte so mein tränennasses Gesicht; die Landschaft zog verschwommen an mir vorbei. Mein Baby hatte selber ein Baby bekommen! Morgen wollte ich Bea gleich im Spital besuchen, damit ich das kleine Würmchen Mimi begrüssen konnte! 3160 Gramm schwer und 51 cm lang und einfach alles dran! Ich schwebte.

 

Jetzt war ich Grossmutter! Die kleine Mimi holte mir meine Erinnerungen an meine eigene Grossmutter zurück:

 

Ich roch Brennnesseln, wilden Thymian, hörte den Brunnen plätschern, spürte den frischen Bergwind in meinem Gesicht und sah die verschneiten Berge vor mir. Unwillkürlich schloss ich die Augen, um dieses Bild einzusaugen. Da hörte ich sogar meine Grossmutter in der Küche werken, sie kochte gerade den morgendlichen Porridge.

Wie ich diese einfache Welt liebte: Kein Laden, keine Kirche, keine Schule, keine Eltern, keine älteren Geschwister, kein Badezimmer, keine Zentralheizung, dafür mit Holzofen in der Küche, mit fliessend kaltem Wasser, mit grossem Garten, mit altem Bauernhaus, mit Scheune, mit Stall, mit Tieren, mit Schnee im Sommer und vor allem - mit einer Grossmutter, die Zeit hatte! Sie erzählte Geschichten und besass ungemein viele Bücher. Eine ganze Wand war mit dieser fantastischen Welt bis unter die Decke vollgestopft, und ich durfte mich einfach bedienen! Für mich bedeuteten diese Erzählungen die pure Freiheit.

Bei meiner Oma wurde eine Wanderung zu den wuchernden Erdbeeren in einer frischen Waldschneise, die eine Lawine im letzten Winter hinterlassen hatte, zu einem Abenteuer.

Auch das Fitnessprogramm, das ich mir selber auferlegt hatte, indem ich dreizehn Minuten lang den Berg hinauf rannte, oder eigentlich eher kraxelte, um zu sehen, wie hoch ich in dieser Zeit kommen würde, wurde nicht nur zur Bestätigung, dass ich einen Dammbruch der Staumauer von Grande-Dixance überleben würde - es wurde zum Erlebnis. Denn meine Grossmutter hatte mir eingebläut, dass ich den Berg rauf klettern müsste, ohne auf sie Rücksicht zu nehmen, sobald ich die Sirene hören würde. Dieses heulende Rohr war auf ihrem Dach montiert. Genau dreizehn Minuten hätte ich dann Zeit, mich in  Sicherheit zu bringen, bis das Wasser das Tal überfluten würde. Ich wusste, wie weit ich steigen musste und schaffte es immer! Dann hatte ich jeweils das Gefühl, ich hätte eine Sturmflut überstanden, setzte mich auf die magere Bergwiese und träumte vor mich hin, wie wenn ich die einzige Überlebende wäre.

 

Diese Erinnerungen und auch erfundene Geschichten wollte ich aufschreiben und meiner Enkelin erzählen, und hoffte, damit noch weitere Kinder beglücken zu können.

 

Darum absolvierte ich eine Ausbildung zur Kinder- und Jugendbuchautorin und schloss sie erfolgreich ab.

 

Heute kann ich mir ein Leben ohne Schreiben nicht mehr vorstellen.